Josef – „Sepp“ – Aichner, der in der vergangenen Nacht im Krankenhaus von Bruneck verstorben ist, hätte am 2. September seinen 60. Geburtstag gefeiert. Selbst mit 59 – auch während seiner bekannten Krankheit – trat er mit der Energie eines Menschen auf, der noch so viel vorhat und eine große Leidenschaft im Leben trägt. Einer, der keine Zeit verliert, sich von körperlichen Beschwerden aufhalten zu lassen. „Wie geht’s?“ – „Gut, gut.“ Und weiter ging’s, auf die Tribüne oder in den Betrieb. Direkt, herzlich, nahbar – kein bisschen snobistisch im Umgang mit uns allen.

So war Sepp Aichner – auf der Rennbahn und im Leben. Ein Unternehmer mit unzähligen Aufgaben, aber vor allem mit einer brennenden Liebe zu den Rennpferden. Alles getragen von einer zutiefst pragmatischen Haltung: Negativität hatte keinen Platz. Krankheit, Rückschläge – dagegen wird angekämpft. So lebt jemand, der anpackt und für seine Leidenschaft brennt.

Er hat das Bild des Rennpferdebesitzers neu geprägt. Kein geschniegelt auftretender Herr im Anzug mit Fernglas über der Schulter, der neben dem Trainer steht und zur Siegerehrung schreitet. Pokale hat er mehr als genug gewonnen – allein die vier Siege von L’Estran im Großen Preis Meran Südtirol sind legendär. Doch dieses typische „Besitzer-Ritual“ gab es bei ihm nicht. Stattdessen: kurzärmeliges Hemd oder T-Shirt. Und wenn mehrere Pferde liefen, trug er selbst die Sättel von der Waage zum Führring – Seite an Seite mit Trainer Josef Vana Jr.

Nach dem Rennen – und das bleibt als eines der schönsten Bilder von ihm – hat er oft selbst die verschwitzten Pferde abgespritzt. Mit Schlauch und Eimer, ganz ruhig, ganz selbstverständlich. Eine stille Geste der Dankbarkeit gegenüber den Pferden, die alles gegeben hatten. Und nicht nur seine eigenen: auch die anderer Besitzer, denn für ihn hatten alle gekämpft. Wenn er gewann, nahm er die Glückwünsche mit ehrlicher Freude an. Wenn er verlor, war er der Erste, der dem Sieger gratulierte. Für ihn war jeder Erfolg ein gemeinsamer Erfolg – mit Trainern und Jockeys.

Und dann die Feiern… nach dem großen Preis auf der Tribüne, im Pferdedorf Borgo Andreina oder später in den Hotels und Restaurants des Burggrafenamtes – ein offenes Fest für alle. Man hatte das Gefühl, die halbe Welt sei eingeladen: anstoßen, lachen, gemeinsam Freude teilen. Sepp hatte eine unmittelbare, ehrliche Menschlichkeit. Wenn ein Jockey stürzte und sich verletzte, kümmerte er sich persönlich – um Krankenhaus, Betreuung, sogar um eine Unterkunft während der Genesung.

Ganz besonders war auch die Verbindung zur Familie Vana. In Josef senior, Josef junior, Mama Paola und dem gesamten Team fand er seine Seelenverwandten in der Welt der Pferde. Die gleiche Haltung: arbeiten rund um die Uhr und dabei rational optimistisch bleiben – denn Probleme sind da, um gelöst zu werden. Und im Hindernissport gibt es davon genug. Intuitiv in ihren Entscheidungen, stark durch ihre Einstellung. Und dabei immer einfach, echt und menschlich.

Selten hat man im Rennsport dieses Gefühl einer echten „Stall-Familie“ so intensiv gespürt – gemeinsam mit und rund um einen Besitzer. Das verdanken wir der einzigartigen Persönlichkeit von Sepp Aichner. Danke.

Heute trauern wir, an der Seite seines Sohnes Devid, seiner Tochter Nadine, seiner Frau Christine, seinen Enkeln und seiner Familie, um einen Menschen, der für uns alle unersetzlich bleibt.