Die Kluft zwischen Erwartung und Ergebnis gehört zur “herrlichen Ungewissheit” – wie die Engländer sie nennen – des Pferderennsports einfach dazu. Und doch hat der Erfolg des unerwarteten Sopran Mistery im Steeplechase um den Preis Hotel Tannerhof mindestens zwei nachvollziehbare Gründe: Unter den vielen Spezialisten für lange Distanzen war er einer der beiden Kandidaten im Feld, die den „kurzen” 3800 Metern am besten entsprachen. Und im Vergleich zu Rivalen, die zwar mitunter mehr Titel vorweisen konnten, deren aktuelle Form aber fraglich war, punktete der Fuchs aus dem Hause Aichner mit einer tadellosen jüngsten Verfassung.

Während sich alle Favoriten erst einliefen, blieb Sopran Mistery auf seinem typischen Vorderfeld-Kurs, exakt getaktet von Jan Kratochvil, nur noch der heroische Mensch zu schlagen – was ihm auch gelang, wenn auch mit einem kleinen Leistungsabfall im Zielbereich auf dieser für ihn grenzwertigen Distanz. Andererseits hört der unglaubliche Mensch, der Schimmel aus dem Stall Tanghetti, mit seinen elf Jahren nicht auf zu erstaunen und erlebt gerade eine zweite Jugend. Alle anderen wurden, wie man in der Schule sagt, „auf September vertagt”.

An einem Tag voller Überraschungen kam eine glänzende Bestätigung von Occhio Alla Penna im „kleinen” Cross-Country-Eröffnungsrennen, das der hübsche Braune aus dem Hause Mingozzi-Montanari im Zusammenspiel mit Teresa Podraska um eine ganze Kategorie überlegen für sich entschied. Ziemlich erwartet kam auch der Fortschritt von Rexeex (im Sattel Bartos) über die Hürden, aufsehenerregend hingegen die Rückkehr in Form von Un Beso (Lukas Matusky im Sattel anstelle von Agus) für den strahlenden Francesco Contu. Im Flachen erfolgreich waren Giorgia Antiga mit dem zuverlässigen Conte Guido sowie Tommaso Burchi mit der dreijährigen Jaycee Beau.